Sonntag, 25. Dezember 2016

HYBRIS



Mircea Barnaure: Hybristierchen auf Glas

die nähe des baumes suchen sie (noch)
vergeblich
jämmerliche tierchen, welche sich wähnen
unsterblich ...

                            Mircea Barnaure / Ioana Orleanu

Mittwoch, 21. Dezember 2016

L' AMORE

                                                                                       


Mircea Barnaure: Il trovatore con la zampogna*
 
Come la vita è bella
canta il trovatore
e ride
anche la malinconia
signori
anche la malinconia...
Sorride il poeta
e bisbiglia
per me
i migliori momenti
son quelli
dove tu piangi
e non sai
di che...

                              Montage von Mircea Barnaure / Ioana Orleanu

*Zampogna = lat.: symphonia; it.ant.: sampogna; rom.: cimpoi.
Per Natale, un tempo, i pastori abruzzesi giravano per le città suonando la zampogna; la zampogna ha un suono dolce e malinconico. Treccani 

Mittwoch, 23. November 2016

MENGE UND HAUTEVOLEE / Leopardi-Eminescu-Parallele II

Mircea Barnaure: Die Normalität des Wahnsinns oder Psycho-pat(h)en führen Staaten / Merci, Baldung Grien

Giacomo Leopardi (PALINODIA):
Wahrer Verdienst und echtes Vermögen, Genügsamkeit und Loyalität
Und der Gerechtigkeit Liebe werden immer und in jeder
Gesellschaftsform gänzlich fremd und fern
Von den gemeinen Geschäften,
Auch ganz unglücklich, gequält und besiegt sein.
Anmaßendes Sich-erdreisten und Betrug,
Mit Mittelmäßigkeit gepaart, werden immer regieren,
Auserwählt obenauf zu schwimmen. Entscheidungsgewalt und Macht
Wird jeder missbrauchen, der sie haben wird,
Unter welchem Namen auch immer.
Nahrung der Starken wird der Schwache immer sein,
Schmeichler der Reichen und Sklave der hungrige Bettler,
In jeder Form der Gesellschaft …


Mihai Eminescu (ANDREI MURESANU)
Wie dumm doch die Masse ist,
Sie glaubt, der Welt Geschick befände sich in ihren Händen,
Während sie selbst von einer Handvoll Listigen geführt wird.
Hast du von Natur aus
Nur so viel Grips, die Dummheit zu sehen
Und die grausame Bösartigkeit, welche die Masse beherrscht,
… baue aus ihnen die Leiter,
Auf die du zu Reichtum und Macht steigst,
Verstelle dich ruhig …,
Mit Floskeln schmeichle ihrer Eitelkeit,
Und sie werden dich auf den Schultern tragen, Hab' und Leben
Für dich auf opfernd. Doch sag' ihnen die Wahrheit,
Sie werden dich ans Kreuz schlagen …
Und jämmerlich wirst du verscheiden, von niemandem beweint …

Übertragungen von Mircea Barnaure und Ioana Orleanu

Sonntag, 20. November 2016

VIERZEILER DER EINSAMKEIT



Mircea Barnaure: An X und Y





er baute sein leben auf
wir lieben uns
doch sie auf
wir verachten uns
                                   Mircea Barnaure
                                   Mehr in einem demnächst erscheinenden Band.

Samstag, 12. November 2016

GOTTFRIED BENN: UND DANN NOVEMBER, EINSAMKEIT, TRISTESSE ... / ȘI-APOI NOVEMBRE, SINGUR ȘI-N AMAR ...



...
Und dann November, Einsamkeit, Tristesse,
Grab oder Stock, der den Gelähmten trägt –
Die Himmeln segnen nicht, nur die Zypresse,
der Trauerbaum, steht groß und unbewegt.
                                                        Gottfried BENN

...
Şi-apoi novembre, singur şi-n amar,
la cimitir sau în baston, paralizat –
iar cerul tace, chiparosul doar,
copac de doliu, ‘nalt stă, nemişcat.
                                                     Traducere Mircea Barnaure in Gottfried Benn - Melancolie

Sonntag, 6. November 2016

MAINT JOYAU ... / MANCHER EDELSTEIN ... / CÂTE-UN ODOR ...

Gretty Rubinstein: Selbstbild / Mircea Barnaure (Variante): Hommage tardif
...
Maint joyau dort enseveli
Dans les ténèbres et l'oubli,
Bien loin des pioches et des sondes;
Mainte fleur épanche à regret
Son parfum doux comme un secret
Dans les solitudes profondes.
                                            Charles BAUDELAIRE

...
Mancher edelstein ruht
Verschart in der finsternis hut
Und weit von stichel und brille.
Manche blume spart
Ihren duft wie geheimnis so zart
Vergebens in einsamer stille.
                                          Übersetzung: Stefan GEORGE

...
Câte-un odor e-nmormântat
Printre tenebre și uitat,
Ferit de cazmale și spate;
Și câte-o floar-emană cu regret
Parfumul ce l-ar vrea secret,
Învoaltă-n singuratate.
                                           Traducere: Mircea Barnaure / Ioana Orleanu in
                                                                                                  INTIMITÄT /INTIMITATE


Dienstag, 1. November 2016

DANTÈS UND CARTARESCU




© Mircea Barnaure


Stecke fest, mitten in der Hauptstädter Blechlawine. Auf Radio France Internationale – Mircea Cartarescu. Mit monotoner Beharrlichkeit zählt er seine Bücher auf. Dieses hier – wichtigst, jenes dort: darf nicht vergessen werden, das vorletzte: 15 Jahre Arbeit, das letzte: etwas ganz anderes, schon in der dritten Auflage, hat an die 100 Rezensionen, fast alle positiv, ja, die Kritik ist doch nicht am Ende, sie sieht, sie versteht, ist tiefsinnig! Wow. Ich höre weiter zu, sehr aufmerksam sogar, denn ich will ihn nicht verpassen, jenen Augenblick, da vielleicht DAS Wort, DER Gedanke fällt und meine übersprapazierte Geduld belohnt wird. Die Zeit vergeht, mein Mut sinkt.
Doch dann, nach einer geschlagenen Dreiviertelstunde, passiert es, jedoch ganz anders als erwartet. Der Nobelpreisanwärter evoziert Jugendlektüren. Und zaubert er, der Fabulierer vom Dienst, eine seiner unvergesslichen Metaphern hervor: Der junge Edmond Dantès sei eine – Raupe. Eine Raupe? Eine Raupe, tönt es beharrlich monoton, die sich im Gefägnis einpuppt und dann ausbricht und ein allmächtiger Schmetterling wird, DumaS … DumaS? DumaS? Jetzt höre ich nicht mehr zu, sondern warte nur noch, ungeduldigst, auf den Einwand der Moderatorin, sie ist des Französischen nur allzu mächtig, also, korrigiere ihn, kläre ihn auf, komm, sag es endlich, es heißt Dumas und nicht DumaS, o, wie tut das meinen Ohren weh!
Die honigsüße Moderatorin denkt aber nicht daran, den bekanntesten einheimischen Schriftsteller alive in eine so peinliche Lage zu bringen. Also schleimt sie weiter, honigsüß (nach langem Zögern sage ich es doch: bis zum Erbrechen!), das ist ihre Aufgabe, sie erfüllt sie mit Bravour. Wer hat, dem wird gegeben, sinniere ich resigniert, mitten in meiner Hauptstädter Blechlawine. Da hebt sich plötzlich meine Hand und der Zeigefinger drückt auf den off-botton. Mit aller Kraft. Und in der Stille, die nun einbricht, lächle ich das selbstzufriedenste Buddha-Lächeln: Wie schön in einer Zeit zu leben, in der jedem eine gewisse Allmacht gegeben ist...

                                                                                       Ioana Orleanu

Freitag, 14. Oktober 2016

VIERZEILER DER UNERREICHBARKEIT / CATRENUL IREVOCABILITĂȚII


Gretty Rubinstein  - in memoriam

Gretty: Selbstbild / Mircea (Variante): Rimembranza

du hast uns einen reichtum hinterlassen
aus gold und glamour und aus weiblichkeit
und deine stimm' mit letzter kunde
vom tor zur unerreichbarkeit

tu ne-ai lăsat o-ntreagă bogăție
în aur, glamour și feminitate
și-n pragul lumii fără veritate
și vocea ta cu ultima solie

                                        Mircea Barnaure / Ioana Orleanu

Donnerstag, 6. Oktober 2016

BLASPHEMISCHE GEDANKEN ZUR SEXISMUS-DEBATTE


Mircea BARNAURE: Süße Maus mit kahlen Herren ...


Passiert Ihnen das auch?
Sie surfen gemächlich von Titel zu Titel und auf einmal stoßen Sie auf etwas, und kleben fest, gegen Ihren Willen, weil etwas Sie gereizt hat, ein Wort, ein Bild, hier, sehen Sie: Sexismus … CDU… süße Maus …, Ihre Synapsen entzünden sich, ein Selbstgespräch setzt ein. Na, was ist das? Sommerloch? Wo denkst du hin! Es herbstet längst. Also dann – ein Sturm im Wasserglas? Sturm ist schön, Wasserglas auch, es heißt, okkulte Kräfte seien da am Werke, Kreisverbände und Zentralen, sie rüttelten und schüttelten um die Wette, auf dass das Glas kippe und den einen oder anderen unschön beschmutze. Ah, hol sie doch alle der Teufel. Was interessiert das mich? Dieses Alte und Graue verfügt weiß Gott nicht über Uhu-Sekundenkleber-Kraft. Umso mehr aber – die süße Maus mit Schwanenhals, Hauptakteurin dieser Show. Was für ein Talent! Und was für ein atemberaubender Ehrgeiz! Und was für eine Profilierungssucht! Ist das nicht bemerkenswert? Ja, bleiben wir dran, treten auch näher heran, es ist so schön zu betrachten.
Da ist also eine 26jährige Studentin, die unbedingte Aufmerksamkeit einfordert. Warum? Weil ihr offensichtlich große Unbill widerfährt. Sie hat den Superlistenplatz, der eine graue Herr, die andere graue Dame wollen ihr aber doch den Weg versperren. Das vergällt ihr die Freude, sich hemmungslos für ihr Land zu engagieren. Ja, einer nennt sie gar süße Maus. Frechheit. Sie ist bestimmt keine Maus und süß – nein, das verbittet sie sich. Was hat sie denn verbrochen, um ein derartiges Epitheton zu verdienen? Hat sie je mit den Augen geklimpert? Vielsagend gelächelt? Das niedliche Köpfchen anmutig zur Seite geneigt und sich so männliche Parteifreundschaft gesichert? Hat sie sich je geschminkt? Ihr Dekolletee in Form gebracht? Wollte sie gefallen? Ach, um die Wahrheit zu sagen: Sie hat mit dem Gedanken der Vollverschleierung gespielt. Auf dass man(n) ihre Ernsthaftigkeit auch wirklich ernst nehme. Freilich: Das Bild zu ihrer bitteren Anklage setzt gekonnt den makellosen Schwanenhals zur Schau. Sie ist aber ein freies Menschenwesen. Also!
Hier angekommen, machen meine Gedanken einen kleinen, ausgelassenen Sprung und ich sehe plötzlich jene Tatort-Kommissarin vor mir, die, tiefdekollettiert und bestiefelt, hin und her stolziert und jeden Kollegen, der einen eindringlicheren Blick auf ihre Formen wagt, mit einem strengen Was gibt’s da zu sehen? straft. Unsere Gesichter, meine Damen, möchte ich sehen, wenn eines schönen Tages die Herren der Schöpfung, von unseren Nörgeleien erschöpft, unseren Reizen gleichgültigst gegenüberständen. Das wäre gar zu lustig.
Was unsere Hauptakteurin betrifft: Bei so viel Willen zur Macht sage ich ihr eine glänzende Zukunft voraus. Und sie pflegt auch so beflissentlich Beziehungen. Sicher, früher hätte man das als Filz oder Seilschaft bezeichnet. Heute aber sind die bösen Worte abgeschafft und jedes Kind weiß, dass flotte Kontakte und dichte Vernetzung jedes Nichtkönnen aufwiegt. Also: Es wendet sich alles zum Guten. Und in 30 Jahren, wenn sie irgendwo, in den ersten Rängen, weilt, wird sie vielleicht, für einen Augenblick von Wehmut gepackt, den nunmehr ergrauten Kopf anmutig zur Seite neigen und nostalgisch sinnieren: Was für ein Glücksfall, jener alte Knacker und seine süße Maus...

                                                                                            Ioana Orleanu

Samstag, 1. Oktober 2016

BOTSCHAFT ... / SOLIE ...



Mircea Barnaure: Dulcis est pro patria fumi

botschaft
null
am tot botșăftuit destul
ergebnis
miden
e poi
für wen
la vie d'la plupart
ergibt
wenn überhaupt
un catren
la verité ist
nacktäfflein
obscène

nu e dafür nevoie de-nțelepciune
deloc
chiar și o muscă-nțelege
marea bătaie de joc
    
(iar tu adu-ți din nou
aminte zu alledem
că în curând străine
reverteris in pulverem)

                          Mircea Barnaure

Mittwoch, 28. September 2016

OINĂ –



Mircea Barnaure:  Plăcut...

era sportul ideal
dixit securista
oină cu cap de intelectual
hasta la vista
babo
hasta la vista

                  Mircea Barnaure

Dienstag, 20. September 2016

GOTTFRIED BENN: TAG, DER DEN SOMMER ENDET / ZIUA CE VARA INCHISE




Tag, der den Sommer endet
Herz, dem das Zeichen fiel:
Die Flammen sind versendet,
die Fluten und das Spiel.
Die Bilder werden blasser,
entrücken sich der Zeit,
wohl spiegelt sie noch das Wasser,
doch auch dies Wasser ist weit.
Du hast eine Schlacht erfahren,
trägst noch ihr Stürmen, ihr Fliehn,
indessen die Schwärme, die Scharen,
die Heere weiter ziehn.
Rosen- und Waffenspanner,
Pfeile und Flammen weit -:
Die Zeichen sinken, die Banner -:
Unwiederbringlichkeit.


Ziua, ce vara inchise,
in inima ta avu loc:
flacarile-s trimise,
talazuri, dar si joc.
Ce vezi pierde culoare,
de timp el se desparte,
il oglindeste-o mare,
dar si ea e departe.
Miscari de batalie,
le porti in tine toate,
ast timp peste campie
se-ndeparteaz-armate.
Se-acopera de seara
coloane-ndepartate -:
semne si flamuri coboara -:
irevocabilitate.
                                        (Trad.: Mircea Barnaure, in Gottfried Benn: Melancolie. Versuri si aforisme alese)

Sonntag, 18. September 2016

DEN MÄDCHEN – / FRUMOASELE –

Pt. P.

Mircea Barnaure: Hommage an T., G., S. und Van Veen

frumoasele din vremi trecute
ce-nflacarau a noast' simtire
au astazi inimi cumintite
ce bat a fiilor iubire

si-a noastre inimi grizonate
se mint ca toamna nu-i tarzie
si nu se-ntreaba nici acum
iubirea-ne ce vru sa fie

si-asa nu vad a noastre inimi
lovite-n lupte de orbire
c-a noastre vieti pustii si reci
ramasera fara iubire

                                         Mircea Barnaure

Donnerstag, 15. September 2016

ALSO SPRACH …



Mircea BARNAURE: Die kluge Huri și-arat-aici nurii

also sprach
die post-modernen hur':
ich treibe es nur
wann mit wem ich will
und außerdem
ihr idioten
ich tue es nicht
mit den toten
als selbstzerfetzten-
aas
seid ihr
würmerfrass
sie sprach klartext
nur
sie blieben stur
"nix zu machen"
quieksen duckmäuse
aus ihrem loch
und was sagt der weise?
dennoch ...

                               Mircea Barnaure

Mittwoch, 7. September 2016

RAINER MARIA RILKE: Herbstag / Venit-a vremea...



Mircea Barnaure: September
HERBSTTAG

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


VENIT-A VREMEA ...

Venit-a vremea. Vara fuse lungă,
Așterne-Ți umbra pe cadranele solare,
pe câmpuri lasă vântul să ajungă.
Târziul fruct se rotunjească plin;
o zi sau două soare ce-l încinge,
ca să se coacă, dă-i, și-mpinge
dulceața ultimă în greul vin.
Cel fără casă, casă nu-și mai face.
Cel care-i singur, va să și rămână,
va să vegheze, va să scrie până
când pe alei, când frunzele-or să joace,
neliniștea încolo-ncoace-l mână.

                                                    Trad. Mircea Barnaure / Ioana Orleanu

Freitag, 19. August 2016

SAGT VENUS …



Mircea Barnaure: Straßenbild mit Burka

sagt venus
und ihr wort besticht:
die haben etwas zu verbergen
ich nicht

                             Mircea Barnaure / Ioana Orleanu

Freitag, 29. Juli 2016

WELLEN ...



Mircea Barnaure: Peste mode si timp - Olymp / Hommage à Dan Barbilian

(mandolinismus)

nur wellen
        wellen
          wellen
gleitend gegen das land

nur wellen
        wellen
          wellen
die streicheln berauben den strand

nur wellen
        wellen
          wellen
jede mit kurzem glanz

nur wellen
        wellen
          wellen
in während sterblichem tanz ...

                               M.B.
Mehr in einem demnächst erscheinenden Band.

Freitag, 15. Juli 2016

Stefan George: ES LACHT ... / ITI RADE ...


Für P.N. zum 16.07. ...

Mircea BARNAURE: Il Dottore...


Es lacht in dem steigenden Jahr dir
Der duft aus dem garten noch leis.
Flicht in dem flatternden haar dir
Eppich und ehrenpreis...


Îţi râde în anul crescând ţie
Parfumul grădinii uşor.
Îţi ţese în părul zburdând ţie
Bobornic şi cimbrişor...

     (Trad.: Mircea Barnaure / Ioana Orleanu, in Frumoasa care trece... // Die Schöne, die vorrübergeht...)


Donnerstag, 7. Juli 2016

GOTTFRIED BENN: KANN KEINE TRAUER SEIN / DOLIU NU POATE FI. Zum 60sten Todestag





In jenem kleinen Bett, fast Kinderbett, starb die Droste
(zu sehn in ihrem Museum in Meersburg),
auf diesem Sofa Hölderlin im Turm bei einem Schreiner,
Rilke, George wohl in Schweizer Hospitalbetten,
in Weimar lagen die großen schwarzen Augen
Nietzsches auf einem weißen Kissen
bis zum letzten Blick –
alles Gerümpel jetzt oder gar nicht mehr vorhanden,
unbestimmbar, wesenlos,
im schmerzlos ewigen Zerfall.

Wir tragen in uns Keime aller Götter,
das Gen des Todes und das Gen der Lust,
wer trennte sie: die Worte und die Dinge,
wer mischte sie: die Qualen und die Statt,
auf der sie enden, Holz mit Tränenbächen –
für kurze Stunden ein erbärmlich Heim.

Kann keine Trauer sein. Zu fern, zu weit,
zu unberührbar Bett und Tränen,
kein Nein, kein Ja,
Geburt und Körperschmerz und Glauben,
ein Wallen, namenlos, ein Huschen,
ein Überirdisches, im Schlaf sich regend,
bewegte Bett und Tränen –
schlafe ein.


In patul acela mic, aproape de copil, a murit Droste

(de vazut in muzeul ei din Meersburg),

pe sofaua asta Hölderlin in turn la un tamplar,

Rilke, George prin vreun pat de spital elvetian,

in Weimar au zacut ochii mari si negri ai lui Nietzsche

pe o perna alba

pana la ultima privire –

toate harbuite acum sau nici nu mai existand,

neidentificabile, fara insemnatate,

in vesnica si lipsita de dureri descompunere.



Purtam in noi germenii tuturor zeilor,

gena mortii si gena placerii,

i-au despartit: cuvinte si lucruri,

i-au amestecat: suferintele si locul

sfarsitului, lemn cu parauri de lacrimi –

pentru cateva ore scurte un mizer adapost.



Doliu nu poate fi. Prea de mult trecute, prea departe,

prea de neatins pat si lacrimi,

nici un nu, nici un da,

nastere si durere si credinta,

un freamat, fara nume, o lunecare,

un ce suprateluric, rascolit in somn,

a miscat pat si lacrimi –

dormi!
                                                  
                                            (Übersetzung/Traducere: Mircea Barnaure, in: Gottfried Benn: Melancolie. Versuri si aforisme alese. Hrsg Ioana Orleanu)


Dienstag, 28. Juni 2016

POESIS UND DIE KRITIKER



Mircea Barnaure: Poesis und die Kritiker

Tu nu cunosti, Zoile, gandul meu...
Din tine-ntreg tu faci literatura.
Oferi in studiu mica ta structura,
Naiv si comic, ca un crustaceu.

                                    George Toparceanu


Du mißverstehst, Zoìl, das Denken mein...
Aus dir selbst machst du so Literatur,
Bietest zum Studium deine Kleinstruktur,
Naiv und komisch, wie ein Krebselein.

                         Übersetzung von Ioana Orleanu und Mircea Barnaure

Freitag, 10. Juni 2016

UNA SQUADRA …



Mircea Barnaure: Bastarde dentro
una squadra
fuori azzura
ma dentro
cattiva e dura

              Mircea Barnaure

Mittwoch, 18. Mai 2016

DER EKEL


Mircea Barnaure: Der Koloss / Hommage à Nietzsche et Goya


Denk' ich an die Fanatiker in der Nacht:
Man wär' manchmal gern Kannibale, 
nicht um sie aufzufressen,
sondern um sie auszukotzen.
                                     Emil  Cioran


Mittwoch, 4. Mai 2016

MASKEN ...



Mircea Barnaure: Signora Maschera

"Masken. - Es gibt Frauen, die, wo man bei ihnen auch nachsucht, kein Inneres haben, sondern reine Masken sind. Der Mann ist zu beklagen, der sich mit solchen fast gespenstischen, notwendig unbefriedigenden Wesen einläßt, aber gerade sie vermögen das Verlangen des Mannes auf das Stärkste zu erregen: Er sucht nach ihrer Seele - und sucht immerfort."

                                                                                                      Friedrich Nietzsche

Samstag, 30. April 2016

LYRIK IN ZEITEN DER POSTMODERNE



 
Mircea Barnaure: Königin Lyrik und ihre Bewunderer

LYRIK BRAUCHT INHALT
Ja, seien wir doch mal ehrlich: Aller Resonanz bei Lesungen, Festivals und sonstigen Veranstaltungen zum Trotz hat Lyrik so gut wie keine gesellschaftliche Bedeutung. Ihre Stimme wird kaum gehört, daher beschäftigen ihre Belange fast ausschließlich – die Lyriker selbst. Es ist ein marginalisiertes Leben, das sie da führt, ein Leben in einem ghettohaften Bereich, in dem, nicht wahr?, früher oder später jeder jedem über den Weg läuft... Weiter auf: Faustkultur.

                                                                                                           Ioana Orleanu

Mittwoch, 27. April 2016

MORGENANDACHT

Mircea Barnaure: Hindurchsicht


Das Geld ist ihr Gott ...
                          Heinrich Heine

Sonntag, 24. April 2016

DIE KURZBALLADE DER GLÄUBIGEN S-FRAU



Mircea Barnaure: Rot und Gott... / Gnade Euch Gott, falls es Ihn wirklich gibt

schon mit siebzehn jahr'
unterschrieb sie gar
jenen treueschwur
spionierte nur
tötete doch nicht
es war ihre pflicht ...

                             Mircea Barnaure /Ioana Orleanu
               Mehr in einem demnächst erscheinenden Band.


Mittwoch, 13. April 2016

OFFENER BRIEF AN KLAUS KLEBER



Mircea Barnaure: Europa und die Wölfe

Von vielen verehrter Herr Klaus Kleber!

Allabendlich beliebt Ihnen vom hohen Ross Ihrer Schein-Objektivität Ihren eigentlich-Kollegen Jan Böhmermann mit apodiktischen Urteilen zu belegen: der famose J.B., der ein fremdes Staatsoberhaupt unsachlich herabwürdigt und schmäht, mit einer beispiellosen Anhäufung von Beschimpfungen eine Staatsaffaire entfacht, die Grenzen des Erlaubten weit über- und des guten Geschmacks weit unterschreitet
Ihren Dienstherren mag das gefallen. Mir nicht. Daher erlaube ich mir, Sie an die Vorgeschichte dieser Staatsaffaire zu erinnern. An ihrem Anfang stand (Sie erinnern sich doch?) – der böse Wolf Erdogan und sein menschenverachtendes, totalitäres Gehabe. Dagegen erhob sich irgendwann in deutschen Landen ein Liedchen: Erdowie, Erdowo, Erdogan. Der böse Wolf tobte – wohl auch vor dem deutschen Botschafter. Daraufhin (ja: erst daraufhin!) entschied sich Ihr eigentlich-Kollege Böhmermann ihn darüber aufzuklären, dass Deutschland nicht sein Revier ist. Er wollte ihn beleidigen? Nicht wirklich. Eher: Ihm eine bissige Lektion in Sachen Freiheit erteilen. (Freilich: Reißt man das Schmähgedicht aus dem Kontext, kann man das nur schwer erkennen. Aber man lernt doch in der Schule, dass diese Methode absolut unzulässig ist, oder nicht?)
Das ging schief. Auch Dank Ihrer und Ihresgleichen Mithilfe ging es schief. Wenn Feigheit eine Tugend wäre, gebührte Ihnen wohl ein Preis. Das sei Ihnen aber gesagt: Sensibelchen, wie Erdogan und Putin, die sich von Satiriker-Worten so leicht verletzt fühlen (an sich ein krasser Primitivismus!), bedrohen Europa mit ihren TATEN. Vor ihnen klein beizugeben ist gefährlich. Wehret den Anfängen – sagt Ihnen das noch etwas? Die Freiheit des Wortes, der Kunst überhaupt, steht für mich unter keinen Umständen zur Disposition. Ich will nicht in einer orientalischen Despotie leben. Und, was das betrifft, weiß ich, wovon ich spreche.

Mit dem gebührenden Respekt,
Ioana Orleanu

Montag, 11. April 2016

HOLD THY BLOODY HAND !



Mircea Barnaure: A me l'ipocrisia non piace

Ipocriti perche inalzano monumenti ai profeti e adornano i sepolcri degli antichi giusti ma perseguitano i giusti che vivono al loro tempo ...
                                            (Papini)

                                

Mittwoch, 6. April 2016

SIE SCHMACHTET …



Mircea Barnaure: Die Bakschischnehmerin / Petit hommage à Titien

sie schmachtet
sie hofft
worauf wartet sie bloß?
auf gott
= geld
auf dem schoß

sie ist nicht danae
nein
sie heißt ...

                                Mircea Barnaure
      Mehr in einem demnächst erscheinenden Band. 

Sonntag, 27. März 2016

VIPERE … / OTTERN ...



Mircea Barnaure: Trei grații...

viperele mitomane
dacă nu le tragi bastoane
pe spinările în „v“
sar să-ți muște nu știu ce

vipere obscurantiste
reci solzoase autiste
chiar de tu le dai dulceață
îți scuipă venin în față

viperele rătăcite
prin vieți terne și tâmpite
ca să nu moară de chin
extrag din frustrări venin

vipere extravagante
ce cu-ncolăciri savante
vor să pară ce nu sânt
au cu moartea legământ

viperele insipide
ce cu zâmbete perfide
te îmbie să rămâi
și te mușcă de călcâi

vipere ultra-mioape
vor și pot te îngroape
dacă cuprins de delir
nu le trăznești tu la mir

da și ele-nscris în vânt
drept de viaț-au pe pământ
ca și cei a căror urmă
ele fără gând o curmă

// auch im winde steht geschrieben
   ottern lebensrecht der lieben
   wie auch das der leut' die sie
   killen sans mélancolie

                          Mircea Barnaure / Ioana Orleanu

Freitag, 25. März 2016

GEGEN DAS VERDRÄNGEN


Rodica Drasal / Mircea Barnaure: Rote Vergangenheit...


Das Doppelleben war ein unumstößliches Faktum
unserer Zeit und niemand konnte es umgehen.
Nadeschda Mandelstam

Das Nachhinein pflegt freilich alles rosarot zu färben. Gerührt beugt man sich über die alte Zeit, über die innige Verbundenheit, wie liebte man einander, wie half man sich doch ständig: einer für alle, alle für einen!
Doch in Wahrheit war die Verbundenheit ziemlich lose, schon damals war sich jeder selbst der Nächste, die Liebe war stark konkurrenzgefärbt und die Zeiten, sie waren wirklich nicht dafür geschaffen, Verbundenheit und Hilfsbereitschaft zu begünstigen. Ich kann mich wirklich nicht daran erinnern, dass wir uns geweigert hätten, das zu tun, was man von uns verlangte. Wenn wir am Sonntagmorgen, um zehn Uhr, die Straßen fegen sollten, so fegten wir die Straßen, wenn wir Lobeshymnen auf die Partei singen sollten, so sangen wir Lobeshymnen, wenn wir fähnchenschwenkend marschieren sollten, so marschierten wir brav mit, und hätte man von uns verlangt, dass wir uns gegenseitig aushorchen, verraten, beschuldigen – ich bin mir ziemlich sicher, wir hätten es getan. Das Neinsagen war bei uns nicht vorgesehen.
Nur ein einziges Mal, ein allereinziges, haben wir es probiert. Die Schule hatte ein Soll an Zeitungsabonnements zu erfüllen. Also befahl man uns zu abonnieren. Keiner war aber an jenem Mist interessiert, instinktiv lehnten wir ab. Ich sehe noch unsere Klassenlehrerin, puterrot, ihren Ohren nicht trauend, höre unsere Stimmen: Aber wir wollen das nicht, wenn wir das nicht wollen!, spüre noch den elektrisierenden Trotz in meinen Adern: wir wehren uns, wir lehnen ab, eine köstliche Wut, die sich da entfesselte, eine Verbrüderung, die mehr verfolgte, als Freizeit so angenehm wie möglich zu organisieren. Endlich! Es dauerte ganze fünf Minuten. Die Klassenlehrerin erklärte uns für verrückt: Seid gewiss, das wird Folgen haben. Sie setzte selbst fest, wer was zu abonnieren hatte. Und keiner murrte mehr.

                                                                                                 Auszug aus LIMESLAND

Donnerstag, 17. März 2016

DAKER-NACHFOLGER ...



Mircea Barnaure: Lo spilungone nel negozio di porcellana




daker-nachfolger 
haben ein schlechtes händchen
bei der wahl
von präsidentchen
die waren alle
sagen wir's offen
menschlich gesehen
nun – katastrophen
der letzte
Jo
ist
mit verlaub
verirrt und taub

unsere botschaft
an seine hochschaft
klingt so:
àdio mă

p.s.
doch wenn man uns
nicht hat verstanden bene
sagen wir's klarer:
macht euren dreck
alleene!

                      Mircea Barnaure / Ioana Orleanu


Freitag, 11. März 2016

UMSONST …



Mircea BARNAURE: Hommage à Baldung Grien

umsonst versuchte kunst euch zu befreien
von rabenschwarzen pechgesalbten haien

es war ihr scheitern es war euer
ihr zahlt mit eurem leben teuer

wenn sie wird scheitern weiterhin –
von mir ein gruß von Baldung Grien

                                              Mircea Barnaure

Sonntag, 14. Februar 2016

GOTTFRIED BENN: BLAUE STUNDE / MULTALBASTRA ORA



Mircea BARNAURE: Heure bleue
I

Ich trete in die dunkelblaue Stunde –

da ist der Flur, die Kette schließt sich zu

und nun im Raum ein Rot auf einem Munde

und eine Schale später Rosen – Du!



Wir wissen beide, jene Worte,

die jeder oft zu anderen sprach und trug,

sind zwischen uns wie nichts und fehl am Orte:

dies ist das Ganze und der letzte Zug.



Das Schweigende ist so weit vorgeschritten

und füllt den Raum und denkt sich selber zu

die Stunde – nichts gehofft und nichts gelitten –

mit ihrer Schale später Rosen – Du.



II

Dein Haupt verfließt, ist weiß und will sich hüten,

indessen sammelt sich auf deinem Mund

die ganze Lust, der Purpur und die Blüten

aus deinem angeströmten Ahnengrund.



Du bist so weiß, man denkt, du wirst zerfallen

vor lauter Schnee, vor lauter Blütenlos,

totweiße Rosen Glied für Glied – Korallen

nur auf den Lippen, schwer und wundengroß.



Du bist so weich, du gibst von etwas Kunde,

von einem Glück aus Sinken und Gefahr

in einer blauen, dunkelblauen Stunde

und wenn sie ging, weiß keiner, ob sie war.



III

Ich frage dich, du bist doch eines andern,

was trägst du mir die späten Rosen zu?

Du sagst, die Träume gehen, die Stunden wandern,

was ist das alles: er und ich und du?



„Was sich erhebt, das will auch wieder enden,

was sich erlebt, - wer weiß denn das genau,

die Kette schließt, man schweigt in diesen Wänden

und dort die Weite, hoch und dunkelblau.“



I
Păşesc acum în ora vineţie
pe holul mic, lanţul la loc căzu,
văd doar un rouge arzând pe-o gură, ţie,
şi-o glastră de întârziate roze – tu!

Ştim amândoi, cuvintele rostite
ades, pe care toţi le poartă-n gură,
sunt între noi nimic, nepotrivite:
e asta totul, cea din urmă sorbitură.

Atotputernic pare ce-n tăcere
şi-asumă ora, spaţiu-ntreg umplu,
- ce-i fără de speranţă şi durere -
cu glastra ei de roze-ntârziate – tu.

II
Capul, confuz, se-ntoarce cu pudoare,
în timp ce pe-a ta gură se adună
dorinţa toată, purpură şi floare
din adâncimea revărsat-a ta, străbună.

De-atâta alb, că te destrami, îmi pare,
de-atâta nea, de palele petale,
albmoarte roze, floare lângă floare,
doar buzele-ţi sunt grele răni corale.

Aşa fragilă, tu-mi aduci solie
de-o fericire în pericol, scufundare
în ora multalbastră, vineţie,
şi, când s-a dus, nu ştie nimeni, fost-a oare?

III
Când te întreb, a altuia doar eşti,
cum de-mi aduci întârziate roze mie?
Spui: vise trec, bat orele-n fereşti,
ce-s toate astea: eu şi lui şi ţie?

“Ce se înalţă, vrea să şi coboare,
ce se trăieşte, - cine-o s-o mai ştie?,
lanţul se-nchide,-aici tăcerea mare
şi-afar-imensitatea vineţie.” 

                     

                     (Traducere de Mircea Barnaure in: Gottfried BENN, Melancolie - versuri si aforisme alese)

Mittwoch, 3. Februar 2016

DIE SCHLAFWANDLER

Mircea BARNAURE: Hommage à Strindberg


Es gibt Menschen, die ihr ganzes Leben im Schlaf gehen; weckt man sie, werden sie böse, drehen sich um und schlafen wieder ein ... Alles, was sie wünschen, dichten sie in Wirklichkeit um; alles, was sie wollen, wird Wahrheit; alles, was unbequem oder unangenehm ist, ist nicht wahr.
                                                                                                   August STRINDBERG

... diese Leute, Strindberg’sche Nachtwandler, aus ihren Gewissheiten sind sie nicht wachzurütteln, weichen stets aus, werden nie müde das Gute und Schöne vorzuschieben, entrüstet, es sei doch auch da: Siehst du denn nicht, unsere Maler, die Dichter, unsere Geschichte, unsere Kultur, hast drüben alles vergessen! Aber nein, ihr habt recht, es ist da, das Schöne und Gute, die Dichter und Maler, die Geschichte und die Kultur und ihre wunderbaren Früchte, alles da, nur leider von euch selbst verkannt, von euch selbst vernachlässigt und begraben, unter dem Hässlichen und Bösen, dem ihr anheimgefallen seid!
Ich wusste es und doch tat es weh, der Schnitt zerreißt, ist er überhaupt zu ertragen?
Ich war den Tränen nahe.
Weich war sein Handgriff, weich seine Stimme, weich auch sein Blick. Man muss wohl betäubt werden, um Wahrheit zu ertragen: In welcher Welt wollen Sie leben, in der realen oder in der erdichteten? Hier gab es für mich kein Schwanken mehr: In der realen, keine Frage, nur in ihr. Dann müssen Sie auch die Konsequenzen tragen, sie ist nun mal, wie sie ist.

                                                                                                   Auszug aus Limesland